Aufsicht

Grundlegende Aussagen zur Aufsichtspflicht auf Klassenfahrt

 

Die Schule ist grundsätzlich auf dem Schulgelände, aber auch bei allen schulischen Veranstaltungen für die Schüler aufsichtspflichtig.

Die Aufsichtsführung ist eine pädagogische Aufgabe. Inhalt dieser Aufsicht ist es, sowohl die Schüler selbst bei schulischen Veranstaltungen vor Schäden zu bewahren als auch zu verhindern, dass diese Schüler andere schädigen.

Sich die Aufsicht zu teilen ist nicht nur angenehmer für die Betreuer einer Gruppe auf Schülerfahrt, das ist auch Pflicht. Nach den Durchführungshinweisen für Schülerfahrten des Staatsministerium für Unterricht und Kultus vom 9. Juli 2010 müssen immer zwei Personen, davon mindestens eine Lehrkraft, die Gruppe begleiten. Die Lehrkraft ist gegenüber weiteren Begleitpersonen weisungsberechtigt.

Bei mehrtägigen Fahrten gemischter Gruppen ist die Teilnahme von mindestens einer männlichen und einer weiblichen Begleitperson, darunter mindestens eine Lehrkraft, als Leitung erforderlich. Bis einschließlich Jahrgangsstufe 4 ist ausnahmsweise auch der ausschließliche Einsatz von zwei weiblichen Begleitpersonen zulässig.
 

  • Die Auswahl der geeigneter Begleitperson(en) trifft die verantwortliche Lehrkraft, der Schulleiter muss sie genehmigen. Damit sind Lehrkraft und Begleitperson für die schulische Veranstaltung auch versichert.
  • Die Anzahl der Begleitpersonen je Schüler sowie besondere Anforderungen an sie richtet sich nach Alter und Reife der Schüler sowie nach Art der Schülerfahrt (z.B. Bergwanderung).
  • Es besteht die Verpflichtung jeder Begleitperson zur Wahrnehmung der Aufsichts-und Fürsorgepflicht während der gesamten Schülerfahrt.
  • Die Aufsichtspflicht muss aktiv (z.B. Eingreifen bei Gefährdung), kontinuierlich (d.h. während der gesamten Schülerfahrt oder Wanderung) und präventiv (z.B. vorausschauende Gefahrenabschätzung durch vorherige Erkundung der Wegstrecke) wahrgenommen werden. Insofern sind vorherige Belehrungen und Absprachen mit allen Schülern über das Verhalten während der außerschulischen Veranstaltung notwendig.
  •  Begleitpersonen haben auf Einhaltung der Schulordnung und des Jugendschutzgesetzes zu achten und den Schülern durch ihr Verhalten Vorbild zu sein.
  • Mindestens eine der Begleitpersonen muss mit Maßnahmen der Ersten Hilfe vertraut sein.

Wird Sportunterricht erteilt, muss die Unterricht erteilende Lehrkraft zusätzlich eine der folgenden Qualifikationen für die angebotene Sportart besitzen:

  • Ausbildung und Prüfung im Rahmen eines Studien- bzw. Ausbildungsganges Sport 
  • Erfolgreiche Teilnahme an einem im Rahmen der staatl. Lehrerfortbildung durchgeführten Weiterbildungslehrgang 
  • Gültigen C-Trainer-Schein (früher Fachübungsleiterlizenz (F-Schein))
  • Entsprechend gleichwertiger Qualifikationsnachweis
  • Ausbildung und Prüfung in Erster Hilfe
  • Bei der Ausübung von Wassersport muss mindestens eine der Begleitpersonen rettungsfähig sein (Mindestqualifikation: Rettungsschwimmabzeichen Bronze).

Bei einem Schulskikurs gibt es zusätzliche Vorgaben:

  • Lehrkräfte der Schule mit entsprechender Qualifikation im Skifahren bzw. Snowboardfahren
  • Andere durch den Schulleiter ausgewählte Personen mit entsprechender Qualifikation, falls nicht ausreichend Lehrkräfte der Schule mit entsprechender Qualifikation zur Verfügung stehen
  • Möglich auch Lehramtsstudierende mit dem Unterrichtsfach Sport mit erfolgreich abgelegter Ski- bzw. ergänzender Snowboardprüfung
  • In Ausnahmefällen auch andere geeignete und bereits in der Erteilung von Unterricht in den Skisportarten und im Snowboardfahren erfahrene Lehrkräfte der Schule nach Entscheidung des Schulleiters

Bei Radwanderungen gilt zu beachten:

Alle Schüler müssen die Fahrradprüfung abgelegt haben (4. Jahrgangsstufe (siehe https://www.lehrplanplus.bayern.de/sixcms/media.php/71/Radfahrausbildung%20in%20der%20Grundschule.pdf)

 

Umfang der Aufsicht bei Fahrten, Schulskikursen und Schülerfahrten

Die Lehrkraft ist verpflichtet, während der ganzen Fahrt bzw. des gesamten Aufenthalts ihre Aufsichts- und Fürsorgepflicht wahrzunehmen. Dies bedeutet, dass ein Aufsichtsführender die ganze Nacht in der Unterkunft der Schüler anwesend sein muss, um sowohl als Ansprechpartner bei möglichen auftretenden Problemen da zu sein, als auch um eventuell nötige Kontrollen vorzunehmen. Ein Verlassen der Unterkunft durch die zur Aufsichtsführung Verpflichteten führt daher zu einer Aufsichtspflichtverletzung.

Bei Schülerfahrten und Wandertagen erstreckt sich die Aufsichtspflicht auf den Zeitraum vom Verlassen des Schulgeländes bis zur Rückkehr. Allerdings kann in Absprache mit den Erziehungsberechtigten auch ein Treffpunkt außerhalb des Schulgeländes vereinbart werden. In der Grundschule muss dieser Treffpunkt im Schulsprengel liegen, ab der 5. Klasse kann der Treffpunkt auch die Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels in der jeweiligen Stadt (z.B. Bahnhof) sein.

Mögliche Rechtsfolgen einer Aufsichtsverletzung

  • Verurteilung der Lehrkraft zum Schadenersatz durch ein Zivilgericht
  • Disziplinarstrafe
  • Verurteilung durch ein Strafgericht (bei schwerer Pflichtverletzung, d. h. grober Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz)​

Befreiung von der Aufsichtspflicht

Eine Befreiung von der Aufsichtspflicht (beispielsweise) schriftlich durch die Erziehungsberechtigten (bei Wanderungen etc.) ist nicht möglich!

Wer gilt als Begleitperson?

Der Schulleiter trifft schriftliche Regelung über die Organisation der Aufsicht. (Ein Abdruck dieser Regelung ist auf Verlangen der Schulaufsichtsbehörde vorzulegen.) Er hat die Überwachungspflicht.

Als Begleitpersonen kommen grundsätzlich in Betracht:

  • Lehrkräfte der Schule (auch Fachlehrer, Förderlehrer, Religionspädagogen)
  • Lehramtsanwärter/Referendare (Einschränkungen siehe unten)
  • sonstige pädagogische Fachkräfte der Schule (z.B. aus dem Ganztag oder der Mittagsbetreuung oder Sozialpädagogen)
  • eigene (Ehe-) Partner der verantwortlichen Lehrkraft
  • ehemalige Lehrkräfte, die bereits im Ruhestand sind
  • (ausgebildete) Studierende für ein Lehramt
  • Studierende, die ein Praktikum in der Klasse ableisten
  • ggf. auch Eltern (Einschränkungen s.u.)

Die Lehrkraft

Schülerfahrten, die von der Schulleitung genehmigt werden, sind schulische Veranstaltungen. Allerdings kann keine Lehrkraft verpflicht werden, eine Schülerfahrt durchzuführen. Jedoch bringt sich die Lehrkraft um wesentliche pädagogische Erfahrungen und ein in der regel deutlich verbessertes Klassenklima sowie Lehrer-Schüler-Verhältnis.

Lehramtsanwärter und Referendare als Begleitpersonen

Die Teilnahme an der Fahrt ist freiwillig und muss mit der Seminarleitung vorher abgestimmt werden. Sie sollte grundsätzlich nur mit der eigenen Klasse oder der Klasse der Betreuungslehrkraft durchgeführt werden. Bei Schulskikursen ist die Voraussetzung eine besondere Qualifikation in Skisportarten oder Snowboardfahren.

Erziehungsberechtigte als Begleitpersonen

Eltern als Begleitpersonen sind dann möglich, wenn diese zur medizinischen Versorgung ihres Kindes notwendig sind oder als sonstige Begleitpersonen durch den Schulleiter genehmigt wurden. Allerdings sollte immer bedacht werden, dass Schüler, deren Eltern mitfahren, in einer besonderen Situation sind, und Begleitpersonen auch bei Verstößen eingreifen müssen. Dies kann für die betroffenen Schüler schwierig werden. 

​Wo Sie Begleitpersonen finden…

Wenn keine zweite Lehrkraft und/oder Freiwillige aus der Elternschaft verfügbar sind, kann auch ein weiterer Weg beschritten werden z.B. über die Suche nach Freiwilligen, die Praktika vor Studienbeginn leisten müssen oder einen Bundes-Freiwilligendienst absolvieren wollen. Allerdings sollte in allen Fällen die Lehrkraft überzeugt sein, mit der Begleitperson gut zusammenarbeiten und dieser auch im Notfall Schüler alleine anvertrauen zu können (z.B. bei einem notwendigen Arztbesuch). Die Begleitperson sollte die Klasse vor der fahrt kennengelernt haben.

Unser Tipp: Absprachen zwischen Eltern und Lehrern

Die verantwortliche Lehrkraft sollte mit den Erziehungsberechtigten das Gesamtprogramm abstimmen. Das könnten Treffpunkte, Route und die benötigte Ausrüstung sein. Bei Erziehungs- und Aufsichtsfragen sollte versucht werden, vorab einen Konsens herzustellen. Nach einem unvorhersehbaren Zwischenfall kann es zur Diskussion der Schuldfrage kommen. Gegen eine Schuldzuweisung können Sie sich als Lehrkraft besser wehren, wenn Sie zuvor mit den Eltern besprochen haben, was bei einem Unfall, einem Schlechtwettereinbruch, etc. getan werden soll. Wird Ihre Klassenfahrt von Erziehungsberechtigten begleitet, teilen Sie sich die Aufsicht am besten auf. Achten Sie aber darauf, dass immer der Lehrer die Gesamtverantwortung trägt. Regeln Sie im Vorfeld bestimmte Unfallverhütungsmaßnahmen und informieren Sie darüber.  Begleitende Eltern sollten Mithilfe bei der Vorsorge und Durchführung der Ersten Hilfe leisten können.